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Fiell, Charlotte & Peter: „Contemporary Graphic Design“
Grafikdesign umgibt uns täglich: Von der wackelnden Glocke auf dem Handywecker über den Hahn auf der Cornflakespackung bis hin Druck auf den nagelneuen Sneakers. Diesem allumfassenden Feld widmet sich ein weiterer Taschen-Bildband und versucht dabei, einen Teil der Gegenwart festzuhalten. Im zeitgenössischen Grafikdesign hat sich in den letzten Jahren großes getan. Die Veränderung der Gesellschaft hin zur Multimedialität, in der jeder Computerbenutzer mit dem richtigen Programm selbst zum Designer werden kann, stellt auch besondere Anforderungen an die Zunft derer, die damit ihr Brot verdienen. Nach bis zur Perfektion getriebenem Digitalitätskult ist in den letzten Jahren wieder ein neuer Wunsch auf Authentizität entstanden. Die einst vom Architekten Adolf Loos auf Schärfste kritisierte Ornamentik ist zurück. Nachträglich hinzugefügte Flecken und Knicke sollen manchen Grafikdesigns etwa die erwünschte Authentizität verleihen, lehrt das Vorwort. Stellvertretend für den derartigen Trend, das echte einzufangen, seien Inspirationen aus der Streetart genannt, die etwa die Arbeiten von „Büro für Form“ beeinflussen.
Der Bildband versucht die Schnittmenge zeitgenössischen Grafikdesigns zu bieten. Seien es kommerzielle Arbeiten für Großkunden oder kleine, in Siebdruck angefertigte Plakate für Rockkonzerte. Mal waren Blei- und -Farbstift das ausschlaggebende Arbeitswerkzeug der Designer, dann wieder Mac oder PC. Jonathan Barnbrooks Konsumkritik im ironischen Stil von „Adbustig“ – das Zerstören von Werbung, etwa durch Überklebungen, Umgestaltungen etc. – findet sich neben neueren Arbeiten von Grafikerlegende Peter Saville, der sich im beigefügten Text klar für den kommerziellen Faktor von Grafikdesign ausspricht. Wegen der verschwimmenden Grenzen von Grafikdesign und Kunst sollten Vorgaben eines Aufraggebers stets genau hinterfragt werden, so Saville weiter. Einige der berühmten Arbeiten des Grafikpioniers aus dem Segment Plattencovers finden sich selbstverständlich auch im Bildband. Insgesamt finden sich in diesem herrlich bunten Bildband 115, meist jüngere, Grafiker aus Russland, Slowenien, Hong Kong, aber auch solche aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden oder Großbritannien. Das besondere an „Contemporary Graphic Design“ ist, dass die Künstler selbst jeweils mit kurzen Statements zu ihren Arbeiten oder den Prozessen, die beim Gestalten ablaufen, zu Wort kommen und dass kurze Basisinformationen zu ihnen vorangestellt werden. So entsteht beim Leser und Betrachter ein noch besseres Bild der Grafikkünstler. Multimedial eben, wie es die Designtrends der letzen Jahre vorgeben.
Fiell, Charlotte & Peter [Hrsg.]: „Contemporary Graphic Design“. Hardcover 19.6 x 24.9 cm, 560 Seiten. Taschen Verlag. Hong Kong, Köln, London, Los Angeles, Madrid, Paris, Tokyo, 2008. 29,99 Euro.
Autor: Holger Günther
Szenepunkt Redaktion Leipzig
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