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Taschen, Angelika: „New New York Interiors“
Wenn Frank Sinatra davon singt, dass er in einer Stadt aufwachen will, die niemals schläft, so übermittelt er das besondere Gefühl von New York, einer Stadt, die tatsächlich ewig in Bewegung ist. Während Sinatras Faszination abstrakt bleibt, tritt Angelika Taschen mit dem von ihr herausgegebenen Bildband „New New York Interiors“ einen großen Schritt an das Konkrete heran. Sie zeigt, wie einige New Yorker aufwachen. Und zwar nicht nur im überteuerten Appartement in Manhattan, denn die Stadt hat viel mehr zu bieten.
Die Vielschichtigkeit dokumentiert der 300-seitige Bildband mit farbigen und großformatigen Aufnahmen.
Vor mehr als zehn Jahren gab es „New York Interiors“, kürzlich erschien das Update „New New York Interiors“. Die Stadt ändert sich täglich: Neues ersetzt Altes, Altes wird mit Neuem kombiniert. Ob das immer so stilvoll und modern von statten geht, wie im Falle von Jonathan Leitersdorfs Penthouse in NoHo mit einer Badewanne, von der aus der Blick genau so über die Dächer des Viertels schweifen kann, liegt in den Augen der Betrachter. Fakt hingegen ist, dass sich in den letzten Jahren neben Harlem, Brooklyn oder Williamsburg auch viele andere Gegenden zu beliebten Wohnorten wandelten. Nicht nur Künstler fanden dort ihre Freiheit in den unendlichen Möglichkeiten der Stadt.
Die Fotografen der Aufnahmen für Angelika Taschens Bildband schauten in Wohnungen vorbei, die verschiedener nicht sein könnten: Das kühle Atelierloft von Marina Abramovic & Paolo Canevar, das neben ein paar Sitzmöbeln und Lampen fast ohne Einrichtungsgegenstände auskommt, steht im diametralen Kontrast zu Muriel Brandolonis vierstöckigem Stadthaus, das den Melting-Pot-Charakter der Großstadt widerspiegelt. Brandolonis Familie hat vietnamesisch-französisch-venezuelanische Wurzeln. Diese Einflüsse finden sich in ihrer detailverliebten Einrichtung mit einem Hang zum Stilmix wieder. Da gibt es etwa einen Cocktailtisch in „Smarties“-Optik im eine Zimmer und Luis-XV-Stühle im Nebenzimmer. All das ist kombiniert mit Stoffen aus den Herkunftsländern der Familie der Bewohnerin und strahlt trotz der Mixtur Gemütlichkeit aus. Andere Wohnungen wirken dagegen wie regelrechte Installationen oder gar wie kleine Museen Moderner Kunst. Doch nicht nur Kunstliebhaber werden mit diesem Bildband verwöhnt. Auch Celebrity-Fans können sich an einem Blick in Rufus Wainrights Schlafzimmer oder in Julianne Moores modernes Wohnzimmer erfreuen.
Angelika Taschen und ihre 16 Fotografen laden zum Spaziergang durch den Big Apple ein. Wie oft fragte man sich als Zuschauer von Woody-Allen-Filmen schon, wie es wohl hinter den Fassaden, an denen die Stars vorbeispazieren, aussehe. Vielleicht waren die Fotografen ja in genau einem dieser Häuser.
Was an diesem sehr abwechslungsreichen Band allerdings ein wenig enttäuscht, ist die Qualität einiger Aufnahmen; nicht der Motive wegen, sondern aufgrund des Fakts, dass mehrere großformatige Aufnahmen etwas zu grobkörnig für einen Qualitätsbildband geraten sind. Ignoriert man gelegentliche Pixeligkeiten oder Unschärfen, so reiht sich der Bildband nahtlos in Taschen’s „Interiors“-Serie ein und bringt neue Einblicke in aus der Stadt, die niemals schläft.
Taschen, Dr. Angelika [Hrsg.]: „New New York interiors“. Gebundene Ausgabe, 24 x 31.6 cm, 300 Seiten, Taschen Verlag, Verlag. Hong Kong, Köln, London, Los Angeles, Madrid, Paris, Tokyo, 2008. 29,99 Euro
Autor: Holger Günther
Szenepunkt Redaktion Leipzig
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